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Emilie und Emil Roth (Foto von 1941 aus dem Besitz von Jane Hirsch, Nichte von Emilie Roth)

Stolpersteinverlegung in Kaulsdorf

Am 6. August fand in der Hannsdorfer Str. 8 die Stolpersteinverlegung für Emilie und Emil Roth statt. Um die 100 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der vom Mahlsdorfer Posaunenchor musikalisch umrahmten Feierlichkeit teil. Auch die demokratischen BVV-Fraktionen waren vertreten. Initiiert hatte alles die pensionierte Ärztin Dr. Barbara Töpfer. Mit praktischer Hilfe von Frau Ifland (Bezirksmuseum) forschte sie zu der ihr aus der Kindheit bekannten Geschichte ehemaliger jüdischer Nachbarn. Dank der Mithilfe von Bernd-Rüdiger Lehmann, Mitglied des Vorstandes des DGB-Kreisverbandes Ost, sind jetzt der 28. und 29. Stolperstein im Stadtbezirk verlegt. Am Schicksal der Roths berichteten Lehmann und Töpfer zur Entrechtung und Ermordung der Juden. Frau Walter vom Frauentreff Hellma trug ein Gedicht vor und Herr Klee vom Gemeindekirchenrat der Evangelischen Gemeinde Kaulsdorf setzte sich kritisch mit den evangelischen „Deutschen Christen“ während der Nazizeit auseinander.

Die Eheleute Roth hatten 1929 in der Bülowstraße 3 (dann Billungstr. 8; jetzt Hannsdorfer Str. 8) ihr Haus gebaut. Als Diplom-Bauingenieur und Beamter wurde Emil Roth mit dem "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" (vom 7. 4. 1933) seiner jüdischen Herkunft wegen aus dem Staatsdienst entlassen. Ab 1939 wurde er als Hilfsarbeiter für die Daimler-Benz Werke in Marienfelde zwangsverpflichtet. Um die „Judenabgabe“ zahlen und die drohende Versteigerung ihres Grundstücks abwenden zu können, nahmen die Roths im August 1939 ein privates Darlehen von 1.400 RM auf. 1941 veräußerte Emilie Roth das gesamte Mobiliar für 700 RM; der Darlehensgeber, Herr Daumann aus Mahlsdorf, überließ der Familie aber die Sachen weiter zur Nutzung. Am 2. Juni 1942 wurden die beiden Roths mit dem 14. Osttransport vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald in Richtung Lublin deportiert. Ab hier verliert sich ihre Spur. Mit „Überschreiten der Reichsgrenze“ fiel alles Vermögen an das Deutsche Reich. Ihr Haus wurde unverzüglich einem Herrn Schwadtke, Feldmeister der Deutschen Arbeitsfront, und seiner Familie zur Verfügung gestellt und der Kaufvertrag mit Herrn Daumann annulliert.

Nur drei von den etwa 10 Juden, die ab 1939 im Haus der Roths lebten, konnten sich vor der Deportation durch die Nazis retten und über Spanien nach Kuba, später in die USA auswandern. Drei Überlebende machte Frau Dr. Töpfer in den USA ausfindig und zu anderen jüdischen Bewohnern der Billungstr. 8 will sie gemeinsam mit Bernd Lehmann weiter forschen.