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Frank Beiersdorff, umweltpolitischer Sprecher

Wem gehört das Wuhletal?

Das Wuhletal ist der längste zusammenhängende Grünzug Berlins und lässt auch noch den Charakter einer nacheiszeitlichen Schmelzwasserrinne mit Resten alter Moore und Verlandungszonen erkennen. Einst gab es viele Pflanzenfresser, die das Land offen hielten, später gab es extensive Weidehaltung. Nach Einstellung der Rieselfeldwirtschaft stellt sich die Frage, ob die Landschaft mit Pflege erhalten oder sie einer spontanen Bewaldung überlassen werden sollte. Letzteres wäre keine gute Idee, denn das Wuhletal ist nun mal keine Wildnis, Neophyten würden sich ausbreiten.

Eine intensive Pflege des Gebietes durch Mensch und Maschine käme aus Kostengründen nicht in Frage, und wäre auch biologisch-ökologisch nicht sinnvoll. Wurde ich vor Jahren noch belächelt, hatte ich dem Grünflächenamt doch mal empfohlen, „holen Sie sich doch ein paar Leihschafe“, so ist heute die Idee der Beweidung weit verbreitet. Sie ist kein Allheilmittel und bedarf der fachlichen und öffentlichen Begleitung, gerade auch was die Auswahl der Arten bzw. Rassen und deren Einpassung in die örtliche Ökologie betrifft. Doch Angst machen, wie eine gewisse Bürgerinitiative und deren Vertreter*innen bei der kürzlichen Veranstaltung zum „Bürgerdialog“ im bezirklichen Informationszentrum?

Pferde, Rinder und Schafe sollen künftig im Rahmen eines mit Naturschutzverbänden erarbeiteten Projektes „Arche-Park“ auf knapp 11 ha Fläche weiden. Und zwar auf Flächen, auf denen normale Besucher*innen eigentlich nichts zu suchen haben. Die Dülmer Pferde sind schon da, Rinder und Schafe stehen auf umzäuntem Parkgelände.

Nach den Pöbeleien in der Veranstaltung, den Schmierereien im Anschluss und dem Anschlag auf die japanischen Zierkirschen auf dem Gelände der Gärten der Welt ist es wohl nur eine Frage der Zeit, dass einige Menschen sich ihr Mütchen auch an diesen Tieren „kühlen“ würden. Wir sind als LINKE immer für eine öffentliche Zugänglichkeit von Flächen eingetreten, doch sollte sich die „Stadtgesellschaft“ nicht zur Geisel „organisierter Wutbürger“ machen lassen.

Frank Beiersdorff
Umweltpolitischer Sprecher